14.09.2011

Januarfluss


Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens mit 12 Millionen Einwohnern in der Metropolregion. Bis 1960 war Rio Brasiliens Hauptstadt. Was kann man über Rio sagen? Vor einigen Wochen waren Capoeiraweltmeisterschaften der Capoeiragruppe Abadá. Ein Capoeirameister, Schüler des Großmeisters Bimba hat zur Eröffnung des Finales mit seinen 80 Jahren höchstpersönlich Capoeira "gespielt". Das war spannend.




Die Stadt ist groß. Sie stinkt. Beherbergt Brasiliens (oder gar Lateinamerikas ?) größte Favela namens "Rocinha".Die Daten über Einwohnerzahlen von Rocinha schwenken zwischen 60.000 und 250.000. Rios Favelas sind bekannt, es werden Touritouren angeboten (natürlich nur durch die schönen, nicht stinkenden Teile der Favelas) und Michael Jackson, Madonna, Lenny Kravitz,... gaben dort schon Konzerte. Nachzulesen auf der offiziellen Homepage von Rocinha. Favela scheint "in" zu sein!

Favela Rocinha bei Gegenverekhr mit Rosenkranz


Am Strand von Rio Zentrum, Copacabana und Ipanema, wohnen die Reichen in Hochhäusern mit Swimmingpools oder Hubschrauberlandeplätzen auf dem Dach. Früher waren auch dort, am Strand, Favelas, aber das tat dem Tourismus nicht sehr gut!


"Ein Spaziergang vom Strand Jacarei zur Flosshaltestelle von Niteroi, am Meer entlang. Es ist heiß, es stinkt manchmal. Am Wegrand liegt ein Geldbeutel. Vor einigen Wochen hab ich hier in Rio einen Personalausweis gefunden, der im Müll lag. Wir kommen an einem Mann vorbei, der eine Gang von dunkelhäutigen Jugendlichen ausschimpft. Einer von ihnen weint. Die Polizei scheint auf dem Weg zu sein. Einen Kilometer weiter sitzt eine Frau, in schwarze Decken eingehüllt, auf einem Stein und reisst sich Haut von der Hand. Ein Mann liegt neben ihr, den Kopf auf volle Plastiktüten gestützt, er schläft. Gegenüber das vollklimatisierte Shoppingcenter, in dem man für 10,- Reias bei Starbucks Kaffee trinken kann."

Kürzlich hab ich von Niteroi aus auf den Christo, eines der Wahrzeichen von Rio, eine riesige steinerne Jesusstatue auf dem Berg " Corcovado" geschaut. Der Christo ist nachts blau beleuchtet.  Er war auf einer Ebene mit dem Mond. Man erreicht Niteroi über eine 14km lange Brücke, die über das Meer führt. Oder mit einer Fähre.


Christo und Mond auf einer Höhe


Nachts an der Fährenhaltestelle auf dem Weg von Rio Centro nach Niteroi, ein Baum voller Fledermäuse, die einem um den Kopf fliegen. Ein Deutscher spricht mich an, 1951 aus Chemnitz nach Rio de Janiero gefluechtet. Er war in den letzten 60 Jahren drei mal in Deutschland! Während wir uns mit ihm unterhalten, scheisst mir eine Fledermaus auf den Kopf."