Helnor ist schon 82! 1949 reiste er das erst Mal nach Europa . Damals gab es von Brasilien noch keine Flugzeuge nach Europa, man war 14 Tage mit dem Schiff unterwegs. Mit dem Zug fuhr Helnor durch Deutschland, an den Bahnhöfen bettelten die Deutschen um Brot. Helnor öffnete das Fenster und reichte sein Frühstück raus, was eigentlich verboten war. Einige Jahre später trat er seine zweite Deutschlandreise an und war erstaunt vom Anblick der Deutschen: eben die bettelnden Menschen gingen nun elegant gekleidet auf sauberen und organisierten Straßen umher.
Hm. Ja, das ist es, was alle Brasilianer immer gleich sagen, wenn man mit ihnen über Deutschland redet. Alles funktioniert, ist ordentlich und strukturiert. Das Lustige ist, dass man das gar nicht mehr merkt, wenn man sich auf Dauer in seinem Heimatland aufhält. Kommt der Zug oder Bus mal ein paar Minuten zu spät, hat man schon ein Gesprächsthema mehr. Hier gibt es keinen Busfahrplan, also kann man sich nicht beschweren, wenn der Bus nicht kommt.
Und Züge gibts auch keine. Aber dafür hat die 65.000 Einwohnergemeinde, in der ich gerade arbeite, kein Krankenhaus. Darüber darf sich dann sogar ein Brasilianer beschweren.
| Helnors Wörterbuch 1950 |