Alles festhalten wollen.
Nichts hergeben können.
Verlustängste.
Meins.
Ich glaube, wir Menschen haben so viel Angst vor dem Tod, weil wir uns an allem festklammern. An unserem Besitz. An unseren Verpflichtungen. An unseren sozialen Bindungen.
Jeder Besitz hat seine Berechtigung, aber auch seine Zeit. Besitz, den wir nur noch um des Besitzens Willen besitzen, hat keine Berechtigung mehr. Ungenutzter Besitz wird zur Belastung, zum Laster. Muss organisiert und verwaltet werden und schließt Türen vor Neuem. Stiehlt Zeit und Energie, stiehlt physischen und geistigen Raum.
Besitz, den wir nicht Nutzen, nehmen wir einer anderen Person, welche ihn brauchen könnte. Geld, welches unberührt auf dem Konto liegt, genauso. Es kommt von irgendwo und fehlt irgendwo.
Anhäufen macht uns unglücklich.
Wir klammern uns an unserer Identität fest. An unseren Eigenschaften, unserem Charakter.
Wir definieren uns.
Definieren, kategorisieren, bewerten gibt uns eine Sicherheit, die wir brauchen, um im Alltag zu überleben.
Unsere eigene Definition, die Maske unserer Selbst, die wir uns mühevoll zugelegt haben, wollen wir zeigen. Zur Schau stellen. Laut in die Welt brüllen. Manchmal nicht mehr als eine leere Hülle, die uns ein wenig Zugehörigkeitsgefühl und Sicherheit gibt.
Ein Tier muss einordnen : Feind, kein Feind, Rivale, kein Rivale. Keine Sicherheit ohne Zuordnung.
Wir ordnen. Interpretieren das Geordnete und bewerten damit unsere Umwelt und uns selbst permanent.
Schaffen gesellschaftliche Strukturen.
Alles geht vorbei. Alles hat seine Zeit. Eine Blume blüht auf und verwelkt. Eine Freundschaft blüht auf und verwelkt. Wir blühen auf und verwelken irgendwann.
Jeder Moment hat seine Zeit, hat seine Berechtigung. Seinen Wert.
Den Wert immaterieller Natur erkennen viele nicht mehr.
Der Wert materieller Güter.
Wert existiert für viele erst dann, wenn er im Besitz ist.
Den Wert geteilter Gut geht verloren.
Der öffentliche Raum, soweit er noch existiert, noch nicht eingenommen ist, verwahrlost dadurch.
Ein Moment wird mit der Kamera eingefangen und konserviert. Jetzt ist er meiner. Mein Foto des Tages.
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